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Viele kleine Wunder

Letztes Jahr, es war auch im Winter, traf ich unterwegs eine liebe Nachbarin. Sie war schon über 90. Wir duzten uns und sie hieß Sofie und wir hatten uns schon oft gesehen. Meistens hatten wir uns zum Kaffeetrinken verabredet oder auch mal zum Spazierengehen. An jenem Tag war es aber  ein Zufall, dass wir uns trafen und sie fragte mich, ob ich nicht ein wenig mit ihr spazieren gehen wollte und bat mich anschließend mit in ihre Wohnung zu kommen. Da ich auch nur ein bißchen spazieren gehen wollte, sagte ich ihr, dass wir das gerne tun könnten und so geschah es dann auch.

In ihrer Wohnung angekommen, erwärmten wir uns am Kaffee und dazu gab es ein paar leckere Kekse.

Dann sagte Sofie: Heute will ich Dir mal eine Geschichte erzählen, die ich vor etwa 35 Jahren erlebt habe und dazu muß ich erst mal ein bestimmtes Fotoalbum hervorholen, denn es gibt auch Fotos dazu. Sie ging zum Bücherschrank und hatte mit einem Handgriff gleich das gesuchte Fotoalbum in der Hand.

"Komm, Susi" sagte sie, das war mein Name. Laß uns auf die Couch setzen, dann kann ich das Album auf den Tisch legen und wir können uns beide bequem die Bilder betrachten. So setzen wir uns beide auf die Couch und sie fing an zu erzählen.

"Also ich kannte damals eine "weise" ältere Frau. Ja, ja, es gibt nicht nur "weise" alte Männer.  Zu dieser Frau ging ich also hin und ich sagte ihr, dass ich so gar keine Lebensfreude mehr hätte und alles so trostlos wäre und ich mich einsam fühlen würde und immer seltener Freude an der Musik hätte. Das einzige was ich noch gerne machen würde, wäre essen, essen, ja und das könnte man ja auch sehen. Ich war nämlich kugelrund damals. Mich konnte man einen Berg herunterrollen. Dabei lachte sie und aus ihren vielen Falten im Gesicht wurden wunderschöne Lachfalten.

Natürlich haben Sofie und ich uns dabei lachend angesehen und ich war sehr gespannt, was sie nun weiter erzählen würde.

Sie fuhr fort: "Die "weise" Frau lächelte mich damals an und sagte: Ich weiß, Du möchtest jetzt von mir einen Rat hören, aber ich erzähle Dir eine Geschichte aus meinem Leben, die tatsächlich passiert ist und sie begann:

Es war ein schöner Märztag, die Sonne schien, aber es lag noch Schnee. Der Winter wollte gerne noch bleiben und wollte dem Frühling zeigen, dass er stärker war als dieser junge Spunt, der sich Frühling nannte.
Da ging ich im Zauberwald spazieren. Ich erhoffte mir, dass ich für eine Weile vergessen konnte, wie deprimiert ich war und wie einsam ich mich fühlte. Dieser Wald zog mich immer magisch an und besonders schön war es, dass dort die Bäume bis in den Himmel ragten.
Pixuria.com - Himmelsbaeume.JPG
Ich sah einige Vögel herumfliegen und dachte noch, wie gut sie es haben. Sie sind frei und können überall hinfliegen, wonach ihnen gerade ist. Erst ging ich eine Weile mitten durch den Wald und dann ein Stück am Waldesrand als ich plötzlich seltsame Spuren sah.
Pixuria.com - Seltsame-Spuren.JPG
Ein Wesen nur mit einem Bein? Neugierig folgte ich der Spur die mich direkt zu einem Schneewesen führte.
Pixuria.com - Schneewesen.JPG
"Hallo" sagte dieses Schneewesen zu mir. Schön, dass hier bist. Ich fühle mich so allein, keiner mag mich. Nur weil ich so anders bin, im Aussehen und im Denken. "Hallo", sagte ich auch zu ihm und meinte: Ich finde, Du siehst doch ganz nett aus, aber sag mir, wie hast Du es geschafft, nur eine Fußspur zu hinterlassen?" Da lachte das Schneewesen und sagte: "Ich bin auf einer Hand hierher gelaufen. Manchmal mache ich solche verrückten Sachen". "Toll", sagte ich. "Sowas kann ich nicht. Siehst Du, es kann auch schön sein, etwas zu können, was andere nicht können und bestimmt gibt es noch genug andere, die auch so sind wie Du". "Ja, mag sein" entgegnete das Schneewesen. "Du bist nett", sagte er zu mir und schaute mich von oben bis unten an, so dass mir ganz komisch war. Doch dann grinste er und sagte zu mir: "Du wirst noch viele kleine "Wunder" erleben auf Deinem Weg, aber gleich siehst Du einen Mann und damit Du weißt, was dahinter steckt, sag ich es Dir: Also dieser Mann hat ständig Frauen benutzt, wie es im in den Sinn kam und hat sie auch oft schnell wieder fallen gelassen und viele gebrochene Herzen ließ er zurück. Eines Tages aber kam er an eine Frau, die hatte Zauberkraft und wie er so nackt in ihrem Bett lag, verzauberte sie ihn und von da an mußte er als Stein bei jeder Jahreszeit im Freien verharren und er bekam einen gebrochen Bogen und Pfeil, damit er keine Herzen mehr zerstören konnte. Er wird so lange da stehen müssen, bis ihn eine Frau erlöst, die ihm eine Chance gibt und die er immer lieben wird. Bis heute kam keine vorbei und niemand glaubt an seine Erlösung. "Nun bin ich aber neugierig auf diesen Mann", sage ich zu dem Schneewesen und so verabschiedete ich mich mit einem Lächeln von ihm und wünschte ihm noch viele nette Begegnungen.

Wenige Schritte weiter traf ich dann auf den jungen Mann
Pixuria.com - Herzensbrecher.JPG
und dachte "Du armer Kerl, hoffentlich wirst Du mal erlöst. Wäre ich 20 Jahre jünger, würde ich Dir eine Chance geben. Aber so hoffe ich nur, dass Du die Kälte nicht wirklich spürst."

Bald befand ich mich wieder mitten im Wald und nach einer Weile sah ich etwas abseits vom Weg etwas Rotes leuchten.

Ich ging näher und ein wunderschöner rubinähnlicher Stein strahlte so, dass auch der Schnee um ihn herum rötlich erschien.
Pixuria.com - Leuchtender-Stein.JPG
Den Stein mußte ich doch mal näher betrachten und nahm ihn in die Hand. Er fühlte sich warm an und auf einmal war mir, als würde er zu mir sprechen. "Weil Du nicht blind durch den Wald läufst, werden Dir noch einige kleine Wunder begegnen, freue Dich darauf". Mein Herz klopfte und mich durchzog ein Glücksgefühl und steckte den Stein vorsichtig in meine Jackentasche. So ging ich dann weiter spazieren und obwohl es früher Nachmittag war, meinte ich plötzlich wunderschöne Klänge zu hören, die sich zur "Morgenstimmung" von Edvard Grieg zusammenfügten und besonders lieblich war der Geigenton. Ich dachte mir, wieso habe ich jetzt diese Melodie im Kopf? Ja und da sah ich sie...
Pixuria.com - Geige.JPG
Die Geige die in dem Stück mitspielte. Ich ging zu ihr hin und auch sie gab plötzlich Worte von sich: Du hast die Melodie nur gehört, weil Du nicht taub bist und auch auf die leisen Töne achtest. Glaube mir, Du wirst noch viele andere kleine Wunder entdecken.

Ich sprach zu der Geige, vorher mich umschauend, ob keiner das sieht: Ich habe heute schon mehrere kleine Wunder erlebt. Mir scheint, heute ist ein ganz besonderer Tag! Ich danke Dir für Dein Spiel und wünsche Dir noch einen schönen Tag und viel Freude beim Musizieren.

So ging ich beschwingter als vorher weiter und mir war, als wären meine Sorgen und negativen Gedanken von mir abgefallen, jedenfalls fühlte ich mich um vieles erleichtert.

Nach etwa einer Viertelstunde hörte ich ein Pfeifen, ich schaute um mich und da sah ich ihn sitzen. Ein lustiges Kerlchen, dass offensichtlich mehr ein Nachtwächter zu sein schien.
Pixuria.com - Nachtwaechter.JPG
"Ja, Du, komm mal her, ich habe Deinetwegen gepfiffen" sagte dieses Kerlchen zu mir. Ich ging hin und sah seine Schuhe. Blitzartig dachte ich, die habe ich doch schon mal gesehen. Wo war das nur?. Doch noch lustiger war der Riesenhut, den dieses lustige Kerlchen aufhatte. Der war so groß, das ich ihn nicht auf das Bild bekam. Ich sagte also "Hallo" zu ihm und fragte was er denn von mir wolle. "Ich bin normalerweise in der Nacht unterwegs, aber ich mußte Dich unbedingt sehen. Deshalb bin ich nun hier. Ich bin der, auf den Du schon so lange sehnsüchtig wartest". Da mußte ich lachen und sagte: "Soso", was Gescheiteres fiel mir nicht ein. "Lach Du nur" grinste er und meinte: "Ich bin kein Frosch, den man küssen muß und dann wird er zum Prinz, aber ich bin  der Mann, der Dich immer lieben wird, wenn Du mich küsst und der sich auch nach Deiner Liebe sehnt. Es liegt also an Dir, ob wir Beide glücklich werden". Wieder mußte ich lachen und doch war da so eine Unsicherheit, die in dem Lachen mitschwang, denn vielleicht stimmte es ja, was dieses lustige Kerlchen sagte. 1001 Gedanken gingen durch meinen Kopf und schließlich sagte ich: "Was macht Dich so sicher, dass Du meinst, wir Beide würden miteinander glücklich werden?" "Das haben mir die Sonne, der Mond und die Sterne gesagt, das haben mir meine Augen gesagt und mein Herz, das gefüllt ist mit Liebe". Er stellte sich hin, formte einen Kussmund und schaute mich erwartungsvoll an.

Was habe ich gemacht? Ich habe ihn geküsst und ich spürte die Schmetterlinge in meinem Bauch. Doch dann machte ich die Augen auf und weg war das kleine Kerlchen.

Im ersten Moment war ich enttäuscht und dann mußte ich aber doch lachen und machte mich fröhlich mit den Schmetterlingen im Bauch auf den Heimweg.

Bevor ich den Zauberwald verließ, schaute die Sonne durch die Bäume
Pixuria.com - Sonnenlicht.JPG

und auch sie sprach plötzlich zu mir.

"Siehst du, Du bist ohne Erwartung in den Zauberwald und bist vielen kleinen Wundern begegnet, nur weil Du nicht blind, taub und herzlos durch die Gegend läufst. Ganz bestimmt werden sich noch viele Deiner Wünsche und Träume erfüllen. Glaube an sie!"

Ich winkte der Sonne fröhlich zu und rief "Danke" und ging nun mit meinen Schmetterlingen im Bauch nach Hause. Einige Wochen später klingelte es an der Tür und ein Mann, den ich fast schon vergessen hatte, stand vor mir, strahlte, zauberte hinter dem Rücken einen wunderschönen Blumenstrauß hervor und man mag es nicht glauben, aber er hatte diesen Riesenhut auf und die Schnabelschuhe, wie ich sie bei dem kleinen Kerlchen gesehen hatte. Ich bat ihn herein, fragte nicht viel, denn ich wußte nun, das er bei mir war und wir zusammen glücklich werden.

Sofie schlug das Buch zu und schaute mich an. Weißt Du, Susi, diese Geschichte, die die weise Frau erzählt hat, die ist mir auf ähnliche Weise passiert. Ich bin mir sicher, auch bei Dir wird es ähnlich sein, Du mußt nur daran glauben und offen dafür sein. Liebe gibt es überall und sie ist auch für ältere Menschen da, besonders für die, die noch wissen, wie ein Schmetterling sich so anfühlt im Bauch.

"Sofie" sagte ich, "vielen Dank für diese schöne Geschichte. Ach, ich fühle mich jetzt, als hätte mich der Frühling geküsst". Da mußte Sofie lachen und ich stimmte ein.

Ein sehr schöner Nachmittag ging zu Ende und für mich war Sofie eine "weise" Frau und ich war froh, dass ich sie kannte.

(c) I. Frees
8.3.10 00:47
 


bisher 13 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marianne H. / Website (8.3.10 08:47)
So gehe man hinaus in die Welt und vielleicht trifft man jemanden,der einem die Schmettterlinge beschert, ein klopfendes Herz und all die Liebe erwiedert.
Er steht niemals so vor der der Tür, man muß auch was für sein Glück tun, nicht nur träumen, denn irgendwo da draußen warten die Schmetttterlinge, der ungeküßte Frosch.
Sei bereit. Schreite ihnen entgegen, denn in die Wohnung werden sie nicht flattern.
Träumen ist schön - Träume wahr werden lassen noch viel schöner.

LG


Monika (Sauerland) (8.3.10 09:41)
Hallo Inge,
Liebe gibt es überall und sie ist für alle Menschen da. Schmetterlinge im Bauch gehören natürlich auch da zu. Wenn man bereit ist und es ausstrahlt passiert es.
Diese Gefühle wünsche ich dir und allen anderen Frauen die sich danach sehnen.
LG Monika


HERZENSDinge (8.3.10 16:08)
@Marianne H.

Um Liebe zu empfinden, muß man nicht in die weite Welt gehen... :-). Schmetterlinge flattern bald an meinen Fenstern und ich bin mir 100%ig sicher, dass ich bald sehr oft unterwegs bin, aber nicht um zu suchen, sondern um mich finden zu lassen :-).

Träume wahr werden lassen... ja, das sind Worte, die man als Anlaß nehmen sollte um damit zu beginnen! :-)

Liebe Grüsse
:-)


HERZENSDinge (8.3.10 16:11)
@Monika (Sauerland)

Liebe Monika, leider gibt es viele ältere Menschen, die nichts mehr von Schmetterlingen im Bauch wissen wollen, weil sie meinen, dafür wären sie zu alt.

Aber es stimmt, Liebe im Allgemeinen ist besonders wichtig und da müssen nicht immer die Schmetterlinge fliegen, da reicht es schon, wenn gelächelt wird.

Liebe Grüsse
:-)


gerold thiel (8.3.10 21:32)
Eine sehr schöne Geschichte habe es richtig genossen es zu lesen

Mein Kompliment Inge ist Dir sehr gut gelungen

L.G Gerry


Herzensdinge (8.3.10 21:36)
@gerold thiel

Hallo Gerry, es freut mich, dass Dir meine Geschichte gefällt und ich danke Dir für das Kompliment :-).

Liebe Grüsse
:-)


Mandragora (9.3.10 10:58)
Ich werde mit Sicherheit nicht meine Tür öffnen, wenn es klingelt. Aus lauter Angst, es könnte der Gerichtsvollzieher sein.
Und ich habe abgesehen davon Erwartungen. Ich warte nämlich jeden Tag und das schon sehr lange.
Und wenn wirklich jemand vor der Tür stünde, dann würde ich mit Sicherheit wütend reagieren und irgendetwas in der Art sagen: Warum erst jetzt? Warum dauerte das so lange? Warum spielt man so mit meinen Gefühlen?


HERZENSDinge (9.3.10 12:50)
@Mandragora

Liebe Mandragora, warst Du schon einmal bei einer Schuldnerberatung? Vielleicht kann man Dir dort helfen und Deine Angst vor dem Gerichtsvollzieher muß nicht sein. Außerdem kannst Du Dich erkundigen, was man Dir wegnehmen könnte. Vielleicht ist Deine Angst unbegründet. Versuche es doch einfach mal.

Ja und was das Spielen mit den Gefühlen betrifft, da kann ich Dir nur sagen: Man kann nur mit jemanden spielen, der das auch zuläßt. Wende Dich anderen Dingen zu. Ich wünsche Dir, dass Du es schaffst.

Liebe Grüsse
:-)


Marianne H. / Website (9.3.10 17:00)
Liebe Inge,

ich hatte nicht "weite Welt" geschrieben, nur "hinaus in die Welt und die fängt bekanntlich vor der Haustür an

GLG


Mandragora (9.3.10 19:35)
Das ist der mieseste Kommentar, den es überhaupt gibt.
Wie kann man so arrogant und überheblich sein? Das kann nur ein schlechter Mensch sein! Wenn man bewusst mit anderen Menschen spielt und deren Notlage ausnutzt, dann haben diese Menschen sich das sicher nicht gewünscht und nicht ausgesucht. Wenn jemand so wie Du schreibt, dann weiß ich jetzt, dass die reine Niedertracht dahinter steckt, weil Du ja das ja bewusst tust.


HERZENSDinge (9.3.10 19:39)
@Marianne H.

Ich bin heute hinaus in die Welt gegangen :-) Es war ein schöner Tag und ich finde, das die Welt vor der Haustür ganz schön "weit" ist. :-)

Liebe Grüsse
:-)


HERZENSDinge (9.3.10 19:47)
@Mandragora

Liebe Mandragora, ich weiß nicht, was wirklich los ist mit Dir! Arrogant - überheblich? Das kann bei mir nicht der Fall sein. Ich selbst stand schon vor der Privatinsolvenz und hatte die Befürchtung mir würde man durch den Gerichtsvollzieher was wegnehmen.

Was tue ich bewußt? Da mußt Du schon etwas deutlicher werden und das man mit Menschen spielt, die in einer Notlage sind, nun, das kenne ich ebenfalls aus eigener Erfahrung.

Aus meiner Sicht hilft da Mitleid mit diesen Menschen, denn sie sind schwächer als DU selbst, denn sonst würden sie so etwas nicht tun.

Wenn Du wieder einen Kommentar abgibst, dann überlege Dir doch bitte Deine Worte, bevor Du beleidigend wirst. Es würde mir leid tun, wenn ich Deine Kommentare löschen müßte, denn ich mag es, wenn jemand schreibt,was er denkt lieber, als Süßholzgeraspel :-).

Sei mutig!

Liebe Grüsse
:-)


Anjaleuchten / Website (15.8.11 16:02)
Schöne Bilder mit einer interessanten Geschichte und das gefällt mir gut.

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